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Haus des Monats Oktober 2018 - waax Architekten ZT GmbH

Internorm: Welche charakteristischen Merkmale zeichnen die Architektur des Projektes aus?

WAAX Architekten: Dem Konzept liegt die Neuinterpretation und Transformation des bestehenden, markanten und für die Gegend typischen Satteldaches zu Grunde. Der neue Baukörper wird abgerückt, dem Wunsch der Familie nach mehr Sonne entsprechend – Richtung Süden gedreht und mittels Verbindungsbaues wieder mit dem Altbestand verknüpft.  Der gedrehte Zubau wurde noch um eine Garage bis zur Grundstückgrenze erweitert. Zwischen Altbau, Nebengebäude und Zubau entstand so, ein kleiner, privater Innenhof.  Das Haus schließt hermetisch zur Straße hin ab und öffnet sich komplett zum Privatgarten. Sobald man das Gebäude betritt, kann der Blick ungehindert durch den Raum in den Garten schweifen. Um Alt- und Neubau zu verbinden, war die Entflechtung und Neuorganisation der Funktionen und inneren Abläufe nötig. Die wesentliche Idee war die Aufteilung in eine „Morgen-Zone“ (Schlafen-Ankleide-Badezimmer) im Altbau und einer „Tag-Zone“ (Kochen-Essen-Wohnen) im Neubau. Um eine barrierefreie Verbindung zu schaffen, musste auch der Neubau herausgehoben werden. 

Internorm: Welche ökologischen und nachhaltigen Aspekte bzw. Vorbildfunktionen für zukunftsweisendes Bauen bietet dieses Projekt?

WAAX Architekten: Die Entscheidung der Familie kein neues Haus auf der „grünen Wiese“ zu errichten, sondern mutig den technisch schwereren und finanziell risikoreicheren Weg, der suburbanen Nachverdichtung zu gehen, führte zu einem herausfordernden und spannendem Prozess an dessen Ende ein Ergebnis steht, dass auch der - alle Lebensbereich umfassenden - Wegwerfgesellschaft ein Stück weit entgegen tritt. Das Haus könnte dahingehend ein Vorbild für zukünftiges Bauen sein, welches die Menschen in so großen Einfamilienhaus-Agglomerationen wie Oedt dazu animiert, die „traditionellen“ Bauweisen zu hinterfragen, sie zu interpretieren oder auf spannende Art neu anzuwenden. Damit beispielsweise ein modernes Holzhaus nicht als ein „Alien“ in diesen Siedlungen empfunden wird.

Internorm: Wie hat bzw. wie kann Internorm Sie bei der Umsetzung von Projekten unterstützen(Beratung, Dienstleistung, Produkt, …)?

WAAX Architekten: Sehr wichtig für den Bauherren war der Besuch im Schauraum und die fundierte Beratung durch die Fa. Miller-Bau. Auch hat der Internom-Partner Betrieb die architektonischen Anforderungen (z.b. Nur-Glas Eck) voll mit getragen und sich den technischen Herausforderung gestellt.   

Internorm: Welchen Stellenwert haben Fenster bei der Gestaltung eines Hauses?

WAAX Architekten: Natürlich einen sehr Hohen. Der im Erdgeschoss gartenseitig komplett verglaste Neubau, lässt das Tageslicht tief ins Innere einfallen und im Gegenzug die Blicke – auch durch das ‚Nur-Glas Eck‘ - ungehindert in den Garten wandern. Straßenseitig hingegen wird die Holzlattung der Fassade über die Fenster hinweg gezogen. Untertags treten sie damit nicht in Erscheinung, jedoch lassen sie bei tiefstehender Sonne im Westen die Fassade regelrecht leuchten. Die neuen Fenster im Altbau lassen gezielte Einblicke in den Innenhof zu.

Internorm: Was sind Ihre Anforderungen an Produkte wie z.B. Fenster und Türen?

WAAX Architekten: Für uns ist es wichtig, dass - bei verständlicher Standardisierung von Produkten - auch eine gewisse Flexibilität gegeben ist und so Platz für innovative und ästhetische Weiterentwicklung bleibt.

Internorm: Welches ist für Sie das innovativste Bauwerk Österreichs und wodurch zeichnet es sich aus?

WAAX Architekten: Das könnte vielleicht immer noch das Projekt 2226 von Baumschlager- Eberle Architekten in Lustenau sein. Ein universeller Prototyp der auf jegliche Anlagen für Heizung, Lüftung und Kühlung verzichtete.  Beeindruckend. 

Internorm: In welche Richtung, denken Sie, wird sich die Architektur in Zukunft entwickeln?

WAAX Architekten: Die Herausforderungen werden auch in Zukunft sicher nicht kleiner. Architektur ist eine integrative Disziplin, deren Aufgabe es ist, sowohl auf soziale und kulturelle als auch auf ökologische und ökonomische Fragen Lösungsansätze zu finden. Steigenden Bevölkerungszahlen, steigender Flächenverbrauch, zunehmende Individualisierung, der Verlust sozialer Kompetenzen des Individuums (z.B. Generationen übergreifende Planung) stellen Herausforderung dar. Daneben müssen Lösungen für zukünftige  Mobilitätskonzepte und Antworten auf den Klimawandel (z.B. sommerliche Überhitzung in der Stadt)usw. gefunden werden. Für diesen Berg an Problemen wird es in Zukunft maßgeschneiderte, individuelle Lösungen geben müssen. Die Digitalisierung des Planungsprozesses – Stichwort BIM (Building Information Modeling) -  wird dabei helfen können, einem gewissen Grad an erwartbaren Parametern über allseits verfügbare digitale Daten (zb. Demographie, Klimadaten…) integrieren bzw. vernetzen zu können. Individualisierbare Bauprodukten und 3D modellierbare Formen erhöhen den architektonischen Freiheitsgrad und intelligente Fassaden und ökologische Energiekonzept  sollen die Nachhaltigkeit unseres Handels sicherstellen.

 „Je mehr ich die Welt bereise, desto mehr kehre ich zur Ursprünglichkeit der Dinge zurück“, sagt Aldo Rossi. Vielleicht wird auch die Architektur der Zukunft ‚Post-Digital‘ zur Ursprünglichkeit zurückfinden? Who knows.

 Architekt: waax Architekten ZT GmbH, DI Simon Wakolbinger & DI Gregor Wakolbinger, Stifterstraße 22, 4020 Linz, www.waax.at

Projekt: Neu- und Zubau Wohnhaus

Vertriebspartner: Miller Bauelemente GmbH, Weißkirchnerstr. 5, 4614 Marchtrenk, www.miller-bau.at

Fotograf: Internorm