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Haus des Monats März 2017 - LOVE architecture and urbanism ZT GmbH

Internorm: Welche charakteristischen Merkmale zeichnen die Architektur des Projektes aus?

LOVE architecture: Aufgrund der fast willkürlich gesetzt wirkenden Fensteröffnungen und Erkererhebungen erscheint die Fassade des Hauses ebenso maßstabslos und nicht eindeutig ablesbar wie seine Umgebung. Dies macht es für den Betrachter fast unmöglich, auf den ersten Blick die wahren Dimensionen des Hauses zu erkennen. Damit verschleiert das Gebäude sozusagen seine wahre Größe und Ausdehnung.

Größe und Ausdehnung allerdings waren fast schon zwangsweise vorgegeben, denn das Gebäude entspricht exakt den Vorgaben des städtebaulichen Masterplans der Stadt Wien. Man könnte daher sagen, dass eigentlich die Gemeinde Wien das Bauwerk entworfen hat. Somit prägt eine Art Radikalpragmatismus (= man tut ganz genau das, was man darf) das volumetrische Erscheinungsbild der Immobilie.

Internorm: Welche ökologischen und nachhaltigen Aspekte bzw. Vorbildfunktionen für zukunftsweisendes Bauen bietet dieses Projekt?

LOVE architecture: Das Projekt Doninpark sticht vor allem durch seinen Mix aus verschiedenen Funktionen (Wohnen, Nahversorgung, Fitnesscenter, Ärztecenter und vieles mehr), die sich alle unter einem Dach befinden, hervor.

Die Heizung und Kühlung geschieht durch die Bauteilaktivierung der massiven Bauteile, die über einen Wärmetauscher mittels Brunnen (Grundwassernutzung) erfolgt.

Um in den Wohnungen ein angenehmes Wohnklima zu ermöglichen, sind diese mit Lüftungsfenstern bzw. -flügeln ausgestattet (was sich auch durch die Gestaltung mit den verschieden großen Öffnungen in unterschiedlichen Höhen ergibt). Außerdem wird für einen intelligenten, baulichen Sonnenschutz durch eine gezielte Aufteilung von Erkern, Balkonflächen und Rücksprüngen gesorgt.

Ein weiterer wichtiger Punkt für das Projekt war die Erschließung und Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz und die infrastrukturelle Ausstattung – eine U-Bahn- und Busstation befindet sich unmittelbar gegenüber der Shoppingzone. Außerdem ist die Tiefgarage mit einer E-Mobility-Zone für E-Autos und E-Fahrräder ausgestattet.

Internorm: Welchen Stellenwert haben Fenster bei der Gestaltung eines Hauses?

LOVE architecture: Wir möchten das nicht verallgemeinern, denn das ist projektabhängig und nicht jedes Haus braucht Fenster im herkömmlichen Sinn. Aber z.B. beim „Doninpark“ sind die Fenster als primäre Gestaltungselemente eingesetzt, die dem Baukörper die Maßstäblichkeit nehmen, und die Geschoßanzahl verschleiern sollen. Weiters stellen die kleinformatigen Fenster auch eine Verbindung zur westlich angrenzenden Kleingartensiedlung her. Die willkürlich scheinende Verteilung der Fenster verleiht aber auch den Innenräumen spannende Ausblicke und überraschende Belichtungssituationen. 

Internorm: Welches ist für Euch das innovativste Bauwerk von LOVE architecture und wodurch zeichnet es sich aus?

LOVE architecture: Das innovativste Bauwerk zu nennen fällt uns schwer, versuchen wir doch bei jedem Projekt etwas Neues zu schaffen. Innovation in der Architektur ist ein schwer zu fassender Begriff: Innovation entsteht meist durch neue Kombination von bekannten Elementen bzw. andersartigem Einsatz von Materialien oder Technologien.

Wir persönlich finden das zuletzt fertiggestellte Headquarter für 50Hertz in Berlin diesbezüglich derzeit das interessanteste. Obwohl sehr einfach aufgebaut, erreicht das Gebäude sowohl in städtebaulichen wie auch in innenräumlich Belangen sehr hohe Ziele.

Es besteht aus gestapelten Geschoßebenen, die von einer netzartigen Tragstruktur getragen und durch die Versorgungskerne durchstoßen werden.

Die tiefen Geschossplatten bieten Raum für unterschiedlichste Bürokonzepte. So kann jede Abteilung und jedes Team maßgeschneiderte Raumaufteilungen nutzen. Jedes Geschoß bietet mehrere Balkone als Freibereiche, die als Arbeitsplatz, zur Kommunikation oder zur Kurz-Erholung genutzt werden können.

Das statisch voll wirksame außenliegende Tragwerk aus Stahl-Verbundstützen ermöglicht stützenfreie Innenräume entlang der Fassade und somit eine flexible Innenraumnutzung. Das außenliegende Tragwerk und die vorstehenden Geschoßplatten bestimmen die Gestalt des Gebäudes, die raumschließenden Verglasungen zwischen den Geschoßplatten treten zurück. So ergibt sich ein sehr offenes Fassadenbild aus der konstruktiven Struktur des Gebäudes.

Und so kommuniziert das Gebäude auch sehr offen mit der unmittelbaren Umgebung – dem Straßenraum, dem Museum Hamburger Bahnhof, wie auch mit der weiteren Umgebung –- bis zum Hauptbahnhof und zum Regierungsviertel. Ich finde, wir haben einen wahren Lichtblick in Berlin-Mitte geschaffen.

Internorm: In welche Richtung, denken Sie, wird sich die Architektur in Zukunft entwickeln?

LOVE architecture: Wir möchten hier die Rahmenbedingungen bzw. Anforderungen ansprechen, die unsere Architektur immer stärker beeinflussen und damit die zukünftige Entwicklung der Architektur bestimmen:

  • eine immer strengere Gesetzeslage und restriktivere Auslegung dieser durch die Behörden,
  • eine rasante Tendenz alles zu normieren und zu regeln,
  • fast jährlich steigende Anforderungen an die thermische Qualität der Gebäude,
  • und die Forderung des Marktes, bei steigenden Baupreisen auch immer günstiger zu bauen.

Mit diesem immer enger werdenden Korsett umzugehen und unter diesen Anforderungen, mit geringer werdenden Honoraren die Architektur weiterzuentwickeln, darin sehe ich die zukünftigen Herausforderungen für uns.

Internorm: Wir gratulieren nochmals zum Gewinn des Architektur-Wettbewerbs 2016 in der Kategorie Objektbau und danken für das nette Gespräch.

 

Architekten: LOVE architecture and urbanism ZT GmbH, Jakoministraße 3-5, 8010 Graz, www.love-home.com

Projekt: Doninpark Wien

Vertriebspartner: Gebrüder Haas Fenster Türen und Montage GmbH, Guschelbauergasse 3, 1210 Wien, www.geha.at

Fotos: Jasmin Schuller